DIE RHEINPFALZ | Speyerer Rundschau 05.12.2016 | Völlig abgedreht



Montag, 05. Dezember 2016 | Speyer: Kultur Regional | Völlig abgedreht

Se Bummtschacks, X-Hells und Fine R.I.P. in der Speyerer Halle 101 | Von Christian Plötz

Heimspiel in der Halle 101 und Hütte fast so halbvoll wie das Publikum? Da ist Fine R.I.P. meist mit beteiligt. Stimmungsgranate Monji und seine begleitenden Rippchen zelebrieren geradezu den Dubbeglasrock. So ziemlich jede gitarrenlastige Partynummer haben die Burschen im 80 Titel zählenden Repertoire, und jeder Song wird in einer "lange verschorl(l)enen" pfälzischen Fassung gespielt. Eine kleine Auswahl davon gab es am Samstagabend in Speyer zu hören.

Zum ordentlichen Einrocken des Dezembers hatte der Rockmusikerverein mit den X-Hells eine rein weibliche AC/DC-Coverband geladen, die zwar optisch glücklicherweise wenig mit den australischen Vorbildern zu tun hatte, dafür aber den Sound der Starkstromrocker umso besser einfing. Unter anderem Namen rockten die Mädels bis vor kurzem noch die großen Festivalbühnen, ehe bandinterne Zwistigkeiten zum Namenswechsel veranlassten.

Auftakt mit einer Spielzeit von fast zwei Stunden, aber keinesfalls reiner Anheizer waren Se Bummtschacks. Die Mainzer Band wurde vor über 20 Jahren von RPR1.-Spaßvogel Sven Hieronymus aus der Taufe gehoben. Der Solo-Comedian kommt bei ihm immer wieder durch - etwa, wenn er eine Zuschauerin auf die Bühne bittet, um nach ebenso ungelenken wie wortreichen Flirtversuchen ein verfrühtes Geburtstagsständchen für sie anzumoderieren. Dem echten "Meenzer" liegt der Karneval wohl in den Genen, und damit ist auch klar, dass zu den abgedrehten Texten auch der eine oder andere Effekt zum Einsatz kommt. Bei "Schwester Esther", einer nicht ganz jugendfreien Nummer, kommt zum Beispiel ein Hybrid aus Lustsklave und Raumpflegerin auf die Bühne; ausgestattet mit Sado-Maso-Ledermaske sowie einer Peitsche und angetan im Polyester-Hausanzug versohlte der Komparse den Musikern nach Herzenslust diverse, zum Sitzen oder Liegen gebräuchliche Körperregionen.

Natürlich covern die Blödelbarden auch mal ein bekannteres Stück, die meisten Songs stammen jedoch aus eigener Feder. Se Bummtschacks setzen nicht nur auf die gelegentlich völlig blankliegende, in der Körpermitte konzentrierte Erotik ihres Frontcharismatikers. Sie haben auch musikalisch etwas zu bieten. und konnten viele der anwesenden "Schörleheads" für sich begeistern.

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